Ab Spätsommer geht es los: Dein Hund kratzt sich, knabbert an den Pfoten, kommt abends nicht zur Ruhe. Oft steckt ein winziger Untermieter dahinter, der ausgerechnet jetzt Hochsaison hat. Hier steht, woran du ihn erkennst und was im Alltag hilft.
Kurz gesagt
Schau nach dem Spaziergang zwischen die Zehen, in die Leiste und an den Kopf: Winzige orangerote Pünktchen sprechen für Herbstgrasmilben. Wisch die Pfoten nach jedem Gang durchs Gras ab, das entfernt einen Teil der Larven mechanisch. Meide bekannte Problemwiesen in der Saison. Kratzt dein Hund sich blutig, kommen kahle Stellen oder Krusten dazu oder hält der Juckreiz an, gehört das in die Tierarztpraxis. Hausmittel auf gereizte Haut sind keine gute Idee.
Autor: BINGO · Veröffentlicht: 02.09.2026
Warum juckt es im Herbst plötzlich so stark?
Weil zwischen Spätsommer und Herbst die Larven der Herbstgrasmilbe unterwegs sind. Nur diese Larvenstadien leben parasitisch, die erwachsenen Milben ernähren sich von Pflanzenresten am Boden. Die Larven klettern an Grashalmen hoch und heften sich an vorbeilaufende Tiere.
Was dann passiert, erklärt den heftigen Juckreiz: Die Larven saugen kein Blut. Sie lösen mit ihrem Speichel oberste Hautschichten an und nehmen das auf. Genau dieser Speichel reizt die Haut und löst die Reaktion aus. Der Befall verschwindet zwar von allein wieder, erzeugt in dieser Zeit aber laut ESCCAP Deutschland einen für das Tier quälenden Juckreiz.
Wichtig für die Einordnung: Herbstjuckreiz muss nicht an Milben liegen. Auch Hausstaubmilben werden mit Beginn der Heizperiode wieder zum Thema, und trockene Heizungsluft setzt der Haut ohnehin zu. Deshalb lohnt sich der genaue Blick, bevor du etwas unternimmst.
Woran erkennst du einen Befall mit Herbstgrasmilben?
An winzigen orangeroten Pünktchen auf der Haut, an sehr typischen Stellen. Betroffen sind dünne, feine Hautpartien: zwischen den Zehen, in der Leistengegend, am Nasenrücken und rund um die Augen und Ohren.

Die Larven sind kleiner als ein Millimeter, durch ihre Farbe aber erstaunlich gut zu sehen, wenn man weiß, wo man suchen muss. Nimm die Pfote in die Hand und spreize die Zehen vorsichtig. Bei hellem Fell fällt es sofort auf, bei dunklem brauchst du gutes Licht.
Das Verhalten liefert den zweiten Hinweis. Auffällig ist vor allem das intensive Knabbern an den Pfoten, oft abends und über längere Zeit. Ein Hund, der eine halbe Stunde an derselben Pfote arbeitet, hat einen Grund dafür.
Bei Rassen mit Hautfalten kommt hinzu, dass sich Reizungen in den Falten leicht mit anderen Ursachen vermischen. Was dort sonst noch eine Rolle spielt, steht in Französische Bulldogge: Haut, Falten und Hitze.
Was kannst du im Alltag tun?
Das Wirksamste ist gleichzeitig das Einfachste: Pfoten abwischen, direkt nach dem Spaziergang. Damit entfernst du einen Teil der Larven mechanisch, bevor sie sich festsetzen. Eine flache Schale mit lauwarmem Wasser und ein Tuch im Flur reichen völlig.

Zweitens: Routen anpassen. ESCCAP Deutschland empfiehlt, in der Saison Auslaufflächen zu meiden, auf denen bekanntermaßen viele Milben sitzen. Wenn dein Hund nach einer bestimmten Wiese regelmäßig kratzt, ist das die Wiese. Wege, Waldboden und kurz gemähter Rasen sind meist unproblematischer als hohes Gras.
Drittens: der eigene Garten. Regelmäßiges Mähen macht die Fläche für die Larven weniger attraktiv. Das ist kein Wundermittel, aber es kostet nichts.
Was du besser lässt: Hausmittel auf gereizte Haut. Öle, Essig oder Hausrezepte aus dem Internet können eine ohnehin gereizte Haut zusätzlich belasten. Und ganz grundsätzlich: Mittel gegen Parasiten gehören in die Tierarztpraxis, nicht in den Warenkorb auf Verdacht. Manche Wirkstoffe, die für Hunde geeignet sind, sind für Katzen lebensgefährlich. Wenn beide im Haushalt leben, ist das kein theoretisches Risiko.
Was hilft gegen den Juckreiz selbst?
Hier ist die ehrliche Antwort kurz: Das gehört in fachkundige Hände. Entzündungshemmende Salben oder Cremes, die den Juckreiz lindern, gibt es in der Tierarztpraxis, und dort wird auch geprüft, ob wirklich Milben die Ursache sind.
Was du selbst tun kannst, ist den Kreislauf zu unterbrechen. Kratzen reizt die Haut, die gereizte Haut juckt mehr, der Hund kratzt weiter. Je früher jemand draufschaut, desto kürzer ist diese Schleife. Offene Stellen können sich zusätzlich entzünden, und dann ist aus einem lästigen Problem ein behandlungsbedürftiges geworden.
Ein Wort zum Thema Futter: Für einen akuten Milbenbefall ist die Ernährung nicht die Antwort. Ein Zusatz beseitigt keine Parasiten. Was Ergänzungen bei kleinen Hunden generell leisten können und was nicht, steht in Nahrungsergänzung für kleine Hunde.
Wie unterscheidest du Milben von anderen Juckreiz-Ursachen?
Über Zeitpunkt, Ort und Verlauf. Herbstgrasmilben sind saisonal, treten zwischen Juli und Oktober auf, betreffen typischerweise Pfoten, Leiste und Kopf und zeigen die charakteristischen orangeroten Punkte. Der Befall klingt nach einiger Zeit von selbst ab.
Juckreiz, der ganzjährig auftritt, sich über den ganzen Körper zieht oder immer wiederkehrt, spricht eher für andere Ursachen. Dazu gehören Umweltallergien, Futterunverträglichkeiten, andere Parasiten oder Hauterkrankungen. Diese Unterscheidung kann niemand aus der Ferne treffen, und das ist auch der Grund, warum dieser Artikel dir keine Diagnose liefert.
Praktischer Tipp für den Termin: Schreib eine Woche lang kurz mit, wann und wo dein Hund kratzt und wo ihr vorher wart. Diese Notiz ist oft aufschlussreicher als jede Beschreibung aus dem Gedächtnis.
Wann zum Tierarzt?
Ruf in der Praxis an, wenn dein Hund sich blutig kratzt oder leckt · wenn kahle Stellen, Krusten, Schuppen oder nässende Hautpartien entstehen · wenn die Haut deutlich gerötet, geschwollen oder warm ist · wenn der Juckreiz länger als ein paar Tage anhält oder immer wiederkehrt · wenn dein Hund vor Juckreiz nachts nicht zur Ruhe kommt · wenn er zusätzlich schlapp wirkt oder Fieber haben könnte. Alles, was du hier liest, ersetzt keine Untersuchung.
So entstand dieser Artikel
Grundlage sind die Angaben von ESCCAP Deutschland, dem Fachverband für Parasitologie in der Kleintiermedizin, verlinkt unten. Dieser Artikel nennt bewusst keine Wirkstoffe und keine Dosierungen, weil die Auswahl in die Tierarztpraxis gehört und je nach Haushalt unterschiedlich ausfällt. Erfahrungen aus der Community sind in diesen Artikel nicht eingeflossen. Die Bilder sind KI-generiert und zeigen keine realen Hunde.
Häufige Fragen
Kann ich mich selbst bei meinem Hund anstecken?
Die Larven befallen auch Menschen, aber sie werden direkt von der Wiese aufgenommen, nicht vom Hund übertragen. Wer durch dasselbe hohe Gras läuft, kann sie ebenso abbekommen.
Wie lange dauert so ein Befall?
Er klingt nach einiger Zeit von selbst ab, weil die Larven nur ein begrenztes Stadium auf dem Wirt verbringen. Der Juckreiz in dieser Zeit ist für den Hund trotzdem belastend und muss nicht ausgesessen werden.
Reicht Pfotenwaschen aus?
Als alleinige Maßnahme meist nicht, als schnelle Alltagsroutine ist es aber sinnvoll. Es entfernt einen Teil der Larven mechanisch, bevor sie sich festsetzen.
Helfen Zeckenmittel auch gegen Herbstgrasmilben?
Manche Präparate aus der Tierarztpraxis schrecken sie ab. Speziell gegen Herbstgrasmilben zugelassene Repellentien gibt es laut ESCCAP derzeit nicht. Die Auswahl gehört deshalb in fachkundige Hände, besonders wenn auch Katzen im Haushalt leben.
Kann das Futter am Juckreiz schuld sein?
Möglich, aber nicht bei diesem Muster. Ein saisonaler Juckreiz an Pfoten und Leiste mit orangeroten Punkten spricht für Milben. Ganzjähriger Juckreiz ist ein anderes Thema und gehört abgeklärt.
Quellen
Welche Wiese ist bei euch die Problemwiese, und was hat geholfen? Im BINGO Bite Club tauschen sich Halterinnen und Halter kleiner Hunde gerade jetzt genau darüber aus.