Braune Streifen unter den Augen, und im Schrank stehen schon drei Mittel, die nichts gebracht haben. Das ist der häufigste Verlauf bei diesem Thema, und er hat einen Grund.
Kurz gesagt
Die braune Farbe kommt von Porphyrinen, eisenhaltigen Pigmenten in der Tränenflüssigkeit. Sie färben helles Fell, sobald Tränen über den Lidrand laufen statt über den Tränenkanal abzufließen. Das ist in den meisten Fällen kosmetisch und keine Krankheit. Was hilft, ist die Partie trocken zu halten: täglich abtupfen, Fell kurz halten, Feuchtigkeit nicht stehen lassen. Was nicht hilft, sind die meisten Mittel aus dem Regal. Treten die Flecken plötzlich neu auf, betreffen nur eine Seite oder kommen Kneifen und Rötung dazu, gehört das in die Tierarztpraxis.
Autor: BINGO · Veröffentlicht: 23.09.2026
Woher kommt die braune Farbe?
Von Porphyrinen. Das sind eisenhaltige Pigmentmoleküle, die der Körper über Tränenflüssigkeit, Speichel und Urin ausscheidet. Treffen sie auf Luft und Licht, oxidiert das Eisen, und genau dabei entsteht dieser rostbraune Ton.
Zwei Dinge folgen daraus, die viele überraschen. Erstens: Jeder Hund hat Porphyrine in der Tränenflüssigkeit, nur sieht man sie auf dunklem Fell nicht. Malteser, Havaneser, Shih Tzu und helle Zwergspitze haben also kein anderes Problem als andere Hunde, sie haben nur den Hintergrund, auf dem es sichtbar wird.

Zweitens: Der Fleck sitzt im Haar, nicht in der Haut. Vorhandene Verfärbungen verschwinden nicht durch Waschen, sondern wachsen heraus. Das dauert Wochen, und genau deshalb wirken die meisten Mittel im Test erst einmal wirkungslos.
Der Grund für den Überlauf ist meist die Anatomie. Bei vielen kleinen Rassen ist der innere Lidwinkel leicht nach innen gerollt oder der Tränenkanal eng, sodass die normale Menge Tränenflüssigkeit nicht vollständig abfließt. Die Fachbezeichnung dafür ist Epiphora, und sie gilt in der Veterinärophthalmologie als eines der am schwersten zu lösenden Probleme überhaupt.
Ist das ein Schönheitsfehler oder ein Gesundheitsproblem?
Meistens ein Schönheitsfehler. Ein Hund mit gleichmäßigen, seit Jahren bestehenden Tränenspuren, klaren Augen und normalem Verhalten hat kein akutes Problem.
Es gibt aber vier Muster, bei denen der Fleck ein Hinweis ist und nicht nur eine Farbe. Erstens: Er tritt plötzlich neu auf oder nimmt deutlich zu. Zweitens: Er betrifft nur eine Seite. Drittens: Dein Hund kneift das Auge zusammen, blinzelt vermehrt oder reibt daran. Viertens: Das Auge ist gerötet oder das Sekret ist gelblich bis grünlich.
In diesen Fällen kann eine Reizung dahinterstecken, ein eingerollter Lidrand, eine Wimper, die auf der Hornhaut reibt, oder ein Hornhautgeschwür. Kurznasige Rassen sind dafür besonders anfällig. Was dabei zu beachten ist, steht in Augen bei kleinen Hunden.
Ein Punkt, der selten erklärt wird: Wenn die Haut unter dem nassen Fell dauerhaft feucht bleibt, kann sich dort zusätzlich eine Hefepilzbesiedlung entwickeln. Das ist dann kein Porphyrin mehr, sondern eine Hautveränderung, und sie riecht meist auch. Das gehört abgeklärt und nicht weggeschrubbt.
Was hilft im Alltag wirklich?
Trockenhalten. So unspektakulär das klingt, es ist der einzige Hebel, den du selbst zuverlässig bedienen kannst. Porphyrine färben, wenn sie auf dem Fell antrocknen. Je kürzer die Feuchtigkeit dort steht, desto weniger setzt sich fest.

Praktisch heißt das: einmal täglich, am besten morgens, mit einem weichen Pad und lauwarmem Wasser unter dem inneren Augenwinkel abtupfen. Für jedes Auge ein frisches Pad. Von innen nach außen, ohne Druck, und ohne das Auge selbst zu berühren.

Zweitens: das Fell in der Augenpartie kurz halten. Ein paar Millimeter weniger bedeuten, dass die Feuchtigkeit schneller verdunstet statt zu wicken. Das gehört bei den meisten Haltern in den Hundesalon, weil Scheren direkt am Auge nichts für die eigene Hand ist.
Drittens: Geduld. Bestehende Verfärbungen wachsen über Wochen heraus. Wenn du die Routine hältst, siehst du den Unterschied nicht nach drei Tagen, sondern nach einem oder zwei Monaten.
Warum haben die Mittel aus dem Regal nicht funktioniert?
Weil die meisten an der falschen Stelle ansetzen. Sie versprechen, den Fleck zu entfernen, aber der Fleck ist Pigment im Haar. Solange der Überlauf bleibt, kommt er nach.
Ein Punkt, der beim Kauf oft untergeht: Ein Teil der international verbreiteten Präparate wirkt über ein Antibiotikum. Ein Antibiotikum dauerhaft für ein kosmetisches Problem zu geben, ist keine gute Idee, und in Deutschland sind solche Mittel ohnehin verschreibungspflichtig. Wenn ein Produkt schnelle Ergebnisse verspricht und nicht erklärt, wie es das erreicht, ist das ein Warnsignal.
Auch die Klassiker aus dem Internet gehören nicht ans Auge. Kamillentee kann die Bindehaut reizen, Borwasser ist für die Selbstanwendung nicht geeignet, und Wasserstoffperoxid, Backpulver oder Apfelessig haben in unmittelbarer Augennähe schlicht nichts verloren.
Und die ehrlichste Aussage zum Thema Futter: Für einen Zusammenhang zwischen bestimmten Futterbestandteilen und Tränenflecken gibt es keine belastbare Studienlage. Wer dir etwas anderes erzählt, verkauft dir etwas. Was du beeinflussen kannst, ist die Feuchtigkeit im Fell, nicht die Porphyrinmenge im Körper.
Wann lohnt sich der Tierarzttermin?
Immer dann, wenn die Ursache unklar ist und du seit Monaten gegen ein Symptom arbeitest. Ein einmaliger Blick klärt, ob es an der Lidstellung liegt, an einem verengten Tränenkanal, an Wimpern oder an etwas anderem.
Das ist nicht nur eine medizinische Frage, sondern eine wirtschaftliche. Wer drei Jahre lang Mittel kauft, die nicht wirken können, hat mehr ausgegeben als ein Termin kostet, und hat immer noch die Flecken.
Was du zum Termin mitbringst: ein Foto von heute und wenn möglich eines von vor einem Jahr. Ob sich etwas verändert hat, ist die Frage, die am meisten aussagt, und die beantwortet man aus dem Gedächtnis schlecht.
Wann zum Tierarzt?
Am selben Tag: Dein Hund kneift ein Auge zu oder reibt daran · das Auge ist gerötet · das Sekret ist gelblich oder grünlich · die Tränenspur tritt plötzlich neu auf oder betrifft nur eine Seite · die Haut unter dem Fell ist gerötet, wund oder riecht.
Zeitnah: gleichmäßige Tränenspuren, die dich stören und deren Ursache nie abgeklärt wurde · deutlich zunehmende Verfärbung über Wochen · immer wiederkehrende Feuchtigkeit trotz täglicher Routine. Alles, was du hier liest, ersetzt keine Untersuchung.
So entstand dieser Artikel
Grundlage sind die beiden unten verlinkten veterinärmedizinischen Fachquellen. Eine epidemiologische Studie zur Häufigkeit von Tränenflecken bei einzelnen Rassen haben wir nicht gefunden, deshalb nennt dieser Artikel dazu keine Zahlen. Auch zur Frage, ob bestimmte Futterbestandteile Tränenflecken beeinflussen, liegt uns keine belastbare Studie vor, und der Artikel behauptet entsprechend nichts. Konkrete Produkte nennt er nicht. Erfahrungen aus der Community sind nicht eingeflossen. Die Bilder sind KI-generiert und zeigen keine realen Hunde.
Häufige Fragen
Gehen die braunen Flecken wieder weg?
Das Pigment sitzt im Haar und wächst über Wochen heraus. Wenn der Überlauf bleibt, kommt die Verfärbung im nachwachsenden Fell wieder. Deshalb geht es eher ums Trockenhalten als ums Entfernen.
Liegt es am Futter?
Dafür gibt es keine belastbare Studienlage. Produkte, die das versprechen, gehen über das hinaus, was sich belegen lässt. Beeinflussen kannst du die Feuchtigkeit im Fell.
Darf ich mit Kamillentee oder Borwasser reinigen?
Nein. Kamille kann die Bindehaut reizen, und selbst angesetzte Lösungen sind nicht keimfrei. Für die Umgebung des Auges reicht ein weiches Pad mit lauwarmem Wasser.
Was ist mit Mitteln, die man ins Futter gibt?
Ein Teil der international verbreiteten Präparate wirkt über ein Antibiotikum. Das ist für ein kosmetisches Problem nicht sinnvoll und in Deutschland verschreibungspflichtig. Bei Produkten ohne nachvollziehbare Erklärung lohnt Skepsis.
Mein Hund hat auch an den Pfoten braune Stellen. Hängt das zusammen?
Dasselbe Pigment steckt im Speichel. Braune Pfoten sprechen für häufiges Lecken, und häufiges Lecken spricht für Juckreiz. Das gehört abgeklärt, weil es eine andere Ursache hat als die Augen.
Quellen
- Veterinary Partner (VIN): Runny Eyes (Epiphora) in Dogs
- VCA Animal Hospitals: No need to cry over tear staining
Was hat bei euch tatsächlich einen Unterschied gemacht, und was war rausgeworfenes Geld? Im BINGO Bite Club tauschen sich Halterinnen und Halter kleiner Hunde ehrlich darüber aus.