Im Netz steht an vielen Stellen, wie man Analdrüsen selbst ausdrückt. Dieser Artikel erklärt stattdessen, warum das keine Vorsorge ist und was du stattdessen tun kannst.
Kurz gesagt
Ein gesunder Hund entleert seine Analdrüsen unbemerkt beim Kotabsetzen. Routinemäßiges Ausdrücken ohne Beschwerden gilt nicht als Vorsorge und kann den natürlichen Ablauf stören. Bei falscher Technik lässt sich Sekret ins umliegende Gewebe drücken, und daraus kann eine Entzündung entstehen, die vorher nicht da war. Was tatsächlich hilft, sind feste Kotkonsistenz, normales Gewicht und regelmäßige Bewegung. Muss entleert werden, gehört das in fachkundige Hände, weil dort gleichzeitig beurteilt wird, wie das Sekret aussieht.
Autor: BINGO · Stand: 19.10.2026
Wie oft ist das überhaupt ein Thema?
Häufiger, als die meisten denken. In einer Auswertung von 3.884 Hunden aus englischen Tierarztpraxen stand die Analdrüsenverstopfung mit 7,1 Prozent auf Platz drei der häufigsten Diagnosen überhaupt, hinter Ohrentzündung und Zahnerkrankungen.
Eine spätere, größere Auswertung mit 104.212 Hunden kommt für Analdrüsenerkrankungen insgesamt auf 4,40 Prozent innerhalb eines Jahres. Darin zeigten sich zwei Rassen aus unserem Feld mit erhöhtem Risiko: der Cavalier King Charles Spaniel mit etwa der 3,3-fachen Chance und der Shih Tzu mit etwa der 1,7-fachen. Kurznasige Rassen lagen insgesamt bei etwa der 2,6-fachen Chance gegenüber langschnäuzigen.
Diese Zahlen stammen aus der britischen Primärversorgung. Übertragbar ist die Richtung, nicht die exakte Prozentzahl für Deutschland.

Grundlagen zum Thema, also was die Drüsen sind und woran du ein Problem erkennst, stehen in Analdrüsen beim kleinen Hund.
Warum solltest du nicht selbst ausdrücken?
Drei Gründe, und sie bauen aufeinander auf.
Das Risiko, etwas kaputtzumachen. Die Beutel liegen in einer empfindlichen Region, und bei falscher Druckrichtung lässt sich Sekret in das umliegende Gewebe pressen statt nach außen. Daraus kann eine Entzündung entstehen, die ohne den Eingriff nicht entstanden wäre.
Die Lernerfahrung deines Hundes. Ein Hund, der das als schmerzhaft erlebt, verbindet es mit dir und lässt sich dort beim nächsten Mal nicht mehr anfassen. Damit wird jede spätere Untersuchung schwieriger, auch die beim Tierarzt.
Der Mechanismus selbst. Die Beutel sollen sich beim Kotabsetzen durch den Druck des festen Kots entleeren. Wer regelmäßig von außen nachhilft, nimmt diesem Ablauf die Notwendigkeit. Routinemäßiges Ausdrücken ohne Beschwerden gilt in der Tiermedizin deshalb nicht als Vorsorge.
Und ein vierter Punkt, der oft untergeht: Beim Ausdrücken siehst du nicht, was du tust. In der Praxis wird gleichzeitig beurteilt, ob das Sekret normal aussieht, ob Blut oder Eiter dabei ist und ob die Wand verdickt ist. Genau diese Information ist der eigentliche Wert des Termins.
Was passiert beim Tierarzt?
Deutlich weniger Dramatisches, als viele erwarten. Der Hund steht oder wird ruhig gehalten, die Beutel werden abgetastet und, wenn nötig, entleert. Das dauert wenige Minuten und geschieht in aller Regel ohne Narkose.

Wichtig ist der zweite Teil: die Einordnung. Die Praxis schaut sich an, ob es sich um eine einmalige Verstopfung handelt oder um ein wiederkehrendes Problem, und sucht im zweiten Fall nach der Ursache. Dazu gehören Kotkonsistenz, Gewicht, Allergien und Hauterkrankungen.

Ein Punkt, der für kleine Hunde zählt: Wenn das Problem mehrmals im Jahr auftritt, ist das kein Fall für häufigeres Ausdrücken, sondern für Ursachensuche. Wiederholtes Entleeren behandelt das Symptom und lässt den Grund unberührt.
Was kannst du stattdessen tun?
Drei Dinge, die alle an der Ursache ansetzen.
Kotkonsistenz. Fester, geformter Kot erzeugt beim Absetzen den Druck, der die Beutel mit entleert. Dauerhaft weicher Kot nimmt genau diesen Mechanismus weg. Wie du das einordnest, steht in Weiches Häufchen beim kleinen Hund.
Gewicht. Übergewichtige Hunde sind häufiger betroffen. Wie du den Körperzustand selbst prüfst, steht in Übergewicht beim Mops erkennen.
Bewegung. Regelmäßige ruhige Runden fördern die Darmtätigkeit und damit den Rhythmus, auf dem der ganze Ablauf beruht.
Und die ehrliche Aussage zum Schluss: Ein Zusatz im Futter löst keinen gestauten oder entzündeten Beutel. Faserstoffe beeinflussen die Kotkonsistenz, das ist unstrittig, aber sie sind kein Mittel gegen Analdrüsenprobleme. Wer dir das verkauft, verspricht mehr, als sich belegen lässt.
Wann zum Tierarzt?
Am selben Tag: sichtbare Schwellung, Rötung oder eine offene Stelle neben dem After · Blut oder Eiter · dein Hund lässt sich hinten nicht mehr anfassen oder jault beim Hinsetzen · er presst erfolglos oder setzt keinen Kot mehr ab · er wirkt schlapp oder hat Fieber.
Zeitnah: wiederholtes Schlittenfahren · anhaltendes Lecken am Hinterteil · strenger fischiger Geruch · das Problem kommt mehrmals im Jahr zurück, dann geht es um die Ursache und nicht um häufigeres Entleeren. Alles, was du hier liest, ersetzt keine Untersuchung.
So entstand dieser Artikel
Die Zahlen stammen aus den beiden unten verlinkten Auswertungen britischer Tierarztpraxen und beschreiben dokumentierte Diagnosen, nicht die tatsächliche Häufigkeit in der Gesamtpopulation. Die Übertragbarkeit auf Deutschland ist plausibel, aber nicht formal geprüft.
Eine Anleitung zum Ausdrücken enthält dieser Artikel bewusst nicht, und das ist seine zentrale Aussage. Zur Frage, ob bestimmte Futterbestandteile Analdrüsenprobleme verhindern, liegt uns keine belastbare Studie vor. Erfahrungen aus der Community sind nicht eingeflossen. Die Bilder sind KI-generiert und zeigen keine realen Hunde.
Häufige Fragen
Sollte man Analdrüsen vorsorglich ausdrücken lassen?
Nein. Ohne Beschwerden gilt das nicht als Vorsorge und kann den natürlichen Entleerungsmechanismus stören. Ein gesunder Hund regelt das beim Kotabsetzen selbst.
Kann ich es zu Hause lernen?
Davon würden wir abraten. Bei falscher Technik lässt sich Sekret ins Gewebe drücken, und du siehst nicht, wie das Sekret aussieht. Genau diese Beurteilung ist der Grund für den Termin.
Mein Hund braucht das mehrmals im Jahr. Ist das normal?
Nein, das ist ein Hinweis. Wiederkehrende Probleme sprechen für eine Ursache dahinter, etwa die Kotkonsistenz, das Gewicht oder eine Hauterkrankung. Die gehört gesucht.
Welche Rassen sind besonders betroffen?
In der verlinkten Auswertung zeigten unter anderem der Cavalier King Charles Spaniel und der Shih Tzu ein erhöhtes Risiko, und kurznasige Rassen insgesamt häufiger als langschnäuzige.
Hilft ein Ergänzungsfutter?
Faserstoffe beeinflussen die Kotkonsistenz und unterstützen damit den natürlichen Ablauf. Einen bereits gestauten oder entzündeten Beutel lösen sie nicht.
Quellen
- O'Neill DG et al. (2021): Non-neoplastic anal sac disorders in UK dogs. Veterinary Record 189:e203
- O'Neill DG et al. (2014): Prevalence of Disorders Recorded in Dogs Attending Primary-Care Veterinary Practices in England. PLOS ONE 9:e90501
Wurde euch schon einmal geraten, das selbst zu machen? Im BINGO Bite Club tauschen sich Halterinnen und Halter kleiner Hunde darüber aus, was ihnen geholfen hat.