Der Hund rutscht mit dem Hinterteil über den Teppich, und alle lachen. Dahinter steckt aber fast immer ein konkretes Unwohlsein, und kleine Rassen sind davon häufiger betroffen als große.
Kurz gesagt
Schlittenfahren, häufiges Lecken am Hinterteil oder plötzliches Drehen nach hinten sind die typischen Zeichen. Dahinter stecken meist die Analdrüsen, zwei kleine Beutel neben dem After, die sich normalerweise beim Kotabsetzen entleeren. Kleine und kurznasige Rassen sind überdurchschnittlich betroffen. Was du selbst tun kannst: beobachten, die Kotkonsistenz im Blick behalten und das Gewicht halten. Was du nicht tun solltest: selbst ausdrücken. Bei Schwellung, Blut, Eiter oder deutlichen Schmerzen gehört dein Hund am selben Tag in die Praxis.
Autor: BINGO · Veröffentlicht: 25.09.2026
Was sind Analdrüsen überhaupt?
Zwei kleine Beutel links und rechts neben dem After. Sie enthalten ein stark riechendes Sekret, das bei jedem Hund zur Duftmarkierung gehört. Normalerweise werden sie beim Kotabsetzen durch den Druck des festen Kots mit entleert, ohne dass jemand etwas davon merkt.
Das Problem entsteht, wenn dieser Druck nicht ausreicht oder der Ausführungsgang zu eng ist. Dann staut sich das Sekret, wird dicker und der Beutel spannt. Genau dieses Spannungsgefühl bringt den Hund dazu, sich Erleichterung zu verschaffen, und die naheliegende Methode ist Reiben am Boden.

Wie häufig das vorkommt, zeigt eine Auswertung von 104.212 Hunden aus britischen Tierarztpraxen: 4,40 Prozent aller Hunde hatten innerhalb eines Jahres eine dokumentierte Analdrüsenerkrankung. Damit gehört das Thema zu den häufigsten Gründen, warum Hunde überhaupt in der Praxis vorgestellt werden.
Warum trifft es kleine Rassen häufiger?
Weil Körperbau und Schädelform eine Rolle spielen. In derselben Auswertung hatten sechs Rassen ein erhöhtes Risiko gegenüber Mischlingen, und darunter stehen zwei aus unserem Feld: der Cavalier King Charles Spaniel mit etwa der 3,3-fachen Chance und der Shih Tzu mit etwa der 1,7-fachen.
Besonders aufschlussreich ist ein anderer Wert aus derselben Arbeit: Kurznasige Rassen hatten etwa die 2,6-fache Chance im Vergleich zu langschnäuzigen Rassen. Umgekehrt zeigten größere Rassen wie Boxer, Deutscher Schäferhund und Labrador ein deutlich geringeres Risiko.
Diese Zahlen stammen aus der britischen Primärversorgung. Übertragbar ist die Richtung, nicht die exakte Prozentzahl für Deutschland. Die Richtung ist aber eindeutig: Je kleiner und kurznasiger, desto häufiger.
Ein zweiter Faktor, für den es gute Belege gibt, ist das Gewicht. Übergewichtige Hunde sind häufiger betroffen. Wie du das bei einem kleinen Hund selbst prüfst, steht in Übergewicht beim Mops erkennen.
Woran erkennst du, dass etwas nicht stimmt?
Am Verhalten, und zwar an drei recht eindeutigen Mustern. Erstens das Schlittenfahren: Der Hund setzt sich hin und zieht sich mit den Vorderbeinen über den Boden. Zweitens intensives Lecken oder Knabbern am Hinterteil, oft über längere Zeit und häufig abends. Drittens ein plötzliches Herumdrehen nach hinten, so als hätte ihn etwas gestochen.

Dazu kommen Zeichen, die man eher riecht als sieht. Ein strenger, fischiger Geruch am Hinterteil oder auf dem Hundebett spricht dafür, dass Sekret abgeht. Manche Hunde hinterlassen feuchte Spuren auf hellen Decken.
Und die Zeichen, die keinen Aufschub dulden: eine sichtbare Schwellung neben dem After, eine gerötete oder wunde Stelle, Blut oder Eiter, oder ein Hund, der sich dort nicht mehr anfassen lässt. Dann ist der Beutel möglicherweise entzündet oder aufgebrochen, und das ist schmerzhaft.
Ein Hinweis zur Einordnung: Schlittenfahren ist nicht automatisch ein Analdrüsenthema. Auch Wurmbefall, Juckreiz durch Allergien oder Kotreste im Fell führen dazu. Deshalb ist der Termin sinnvoller als die Selbstdiagnose.
Was kannst du im Alltag beeinflussen?
Drei Dinge, und alle drei setzen an der Ursache an statt am Symptom.
Die Kotkonsistenz. Fester, geformter Kot erzeugt beim Absetzen den Druck, der die Beutel mit entleert. Dauerhaft weicher Kot nimmt genau diesen Mechanismus weg. Was am Häufchen normal ist und was nicht, steht in Weiches Häufchen beim kleinen Hund.
Das Gewicht. Es ist der Faktor mit der besten Datenlage und gleichzeitig der, den man am ehesten übersieht.
Bewegung. Regelmäßige ruhige Runden fördern die Darmtätigkeit und damit den Rhythmus, auf dem der ganze Mechanismus beruht.
Und jetzt der Teil, den viele anders erwarten: Ein Zusatz im Futter ist keine Lösung für ein bereits gestautes oder entzündetes Analdrüsensekret. Faserstoffe beeinflussen die Kotkonsistenz, das ist unstrittig, aber sie leeren keinen verstopften Beutel. Wer dir ein Produkt gegen Analdrüsenprobleme verkauft, verspricht mehr, als sich belegen lässt.
Solltest du die Drüsen selbst ausdrücken?
Nein. Das ist die klarste Aussage in diesem ganzen Artikel.
Es gibt dafür drei Gründe. Erstens lässt sich bei falscher Technik Sekret in das umliegende Gewebe drücken, und daraus kann eine Entzündung entstehen, die vorher nicht da war. Zweitens ist der Bereich empfindlich, und ein Hund, der dabei Schmerzen hat, verbindet das mit dir. Drittens, und das ist der wichtigste Punkt: Wer routinemäßig ausdrückt, ohne dass ein Grund vorliegt, kann den natürlichen Entleerungsmechanismus stören.
Routinemäßiges Ausdrücken ohne Beschwerden ist auch in der Tiermedizin umstritten und gilt nicht als Vorsorge. Was Vorsorge ist: feste Kotkonsistenz, normales Gewicht, Bewegung und ein Blick darauf, ob sich das Verhalten deines Hundes ändert.
Wenn tatsächlich entleert werden muss, gehört das in fachkundige Hände, weil dort gleichzeitig beurteilt wird, ob das Sekret normal aussieht oder ob eine Entzündung vorliegt.
Wann zum Tierarzt?
Am selben Tag: sichtbare Schwellung, Rötung oder eine offene Stelle neben dem After · Blut oder Eiter · dein Hund lässt sich hinten nicht mehr anfassen oder jault beim Hinsetzen · er setzt keinen Kot mehr ab oder presst erfolglos · er wirkt schlapp oder hat Fieber.
Zeitnah: wiederholtes Schlittenfahren · anhaltendes Lecken am Hinterteil · strenger fischiger Geruch · feuchte Spuren auf der Decke · das Problem kommt mehrmals im Jahr zurück. Alles, was du hier liest, ersetzt keine Untersuchung.
So entstand dieser Artikel
Die Zahlen stammen aus der unten verlinkten Auswertung britischer Tierarztpraxen und beschreiben dokumentierte Diagnosen, nicht die tatsächliche Häufigkeit in der Gesamtpopulation. Die Übertragbarkeit auf Deutschland ist plausibel, aber nicht formal geprüft. Zur Frage, ob bestimmte Futterbestandteile Analdrüsenprobleme verhindern, liegt uns keine belastbare Studie vor, deshalb behauptet dieser Artikel das nicht. Eine Anleitung zum Ausdrücken enthält er bewusst nicht. Erfahrungen aus der Community sind nicht eingeflossen. Die Bilder sind KI-generiert und zeigen keine realen Hunde.
Häufige Fragen
Ist Schlittenfahren immer ein Analdrüsenproblem?
Nein. Auch Würmer, Juckreiz durch Allergien oder Kotreste im Fell führen dazu. Deshalb lohnt der Termin statt der Selbstdiagnose, besonders wenn es wiederholt auftritt.
Kann ich die Drüsen zu Hause ausdrücken?
Besser nicht. Bei falscher Technik kann Sekret ins Gewebe gedrückt werden, und daraus entsteht eine Entzündung. Wenn entleert werden muss, gehört das in fachkundige Hände.
Hilft mehr Ballaststoff im Futter?
Faserstoffe beeinflussen die Kotkonsistenz, und festerer Kot unterstützt die natürliche Entleerung. Einen bereits gestauten oder entzündeten Beutel löst das nicht. Änderungen an der Fütterung gehören bei wiederkehrenden Problemen in die Praxis.
Wie oft ist das normal?
Gar nicht. Ein gesunder Hund entleert die Beutel unbemerkt beim Kotabsetzen. Wiederkehrende Beschwerden sind ein Grund, die Ursache zu suchen, statt sie regelmäßig zu behandeln.
Warum riecht mein Hund plötzlich fischig?
Das spricht dafür, dass Sekret abgeht, etwa bei Aufregung oder Druck. Einmalig kommt das vor. Wenn es regelmäßig passiert, gehört es angeschaut.
Quellen
Kennt ihr das Schlittenfahren, und was hat bei euch tatsächlich geholfen? Im BINGO Bite Club tauschen sich Halterinnen und Halter kleiner Hunde auch über solche Themen aus.